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Das Wiki Blog - Blog-Beiträge für Januar 2026
Jan. 31 2026
Subtypen der Dowling-Degos-Erkrankung (NEWSBLOG 2026)
Die Dowling-Degos-Erkrankung ist eine seltene autosomal-dominant vererbte Pigmentstörung mit ausgeprägter genetischer Heterogenität und variabler klinischer Ausprägung. Charakteristisch ist eine retikuläre Hyperpigmentierung, die typischerweise nach der Pubertät beginnt und im Verlauf progredient zunimmt, häufig begleitet von Pruritus, Brennen oder entzündlichen Hautveränderungen. Histopathologisch zeigen sich als Leitsymptome eine Ausdünnung der suprapapillären Epidermis sowie verlängerte Reteleisten mit vermehrter Melanineinlagerung in der Basalschicht, wobei auch hier eine erhebliche Variabilität besteht. Während die Erkrankung früher als monogenes Krankheitsbild mit vorwiegender Manifestation in Beugenregionen betrachtet wurde, hat sich das Verständnis in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich erweitert. Bislang wurden fünf krankheitsverursachende Gene identifiziert, nämlich KRT5, POFUT1, POGLUT1, PSENEN und GLMN, die jeweils mit charakteristischen phänotypischen Mustern assoziiert sind. Pathogene Varianten in KRT5, POFUT1 und POGLUT1 betreffen überwiegend intertriginöse Areale, den akrogenitalen Bereich beziehungsweise die Extremitäten. Varianten in PSENEN erhöhen die Anfälligkeit für eine Hidradenitis suppurativa, insbesondere bei prädisponierten Personen, während GLMN-Varianten mit dem Auftreten glomuvenöser Malformationen assoziiert sein können. Trotz erheblicher Fortschritte im Verständnis der genetischen Grundlagen steht bislang keine kausale Therapie zur Verfügung. Symptomatische Behandlungsansätze wie ablative Lasertherapien können die Hyperpigmentierung reduzieren, sind jedoch mit Risiken wie postinflammatorischer Hyperpigmentierung verbunden. Die Übersichtsarbeit zeichnet die Entwicklung des heutigen Wissens zur komplexen genetischen Basis der Dowling-Degos-Erkrankung nach und schlägt einen klinisch orientierten Subphänotypisierungsansatz vor, der eine gezielte genetische Diagnostik auf Grundlage von Genotyp-Phänotyp-Korrelationen ermöglicht. Darüber hinaus werden zentrale Aspekte wie die kontrovers diskutierte Bezeichnung Morbus Galli-Galli, psychosoziale Belastungen, therapeutische Herausforderungen sowie neue Erkenntnisse zur Rolle der Notch-Signalübertragung in der Pathogenese behandelt.
Quelle:
Br J Dermatol. 2025 Nov 18;193(6):1075–1089. http://doi.org/10.1093/bjd/ljaf286
Beneath the surface: delineating the subtypes of Dowling-Degos disease.
Kumar S, Ralser DJ, Wenzel J, Frank J, Betz RC.
Jan. 30 2026
Radiotherapie versus Imiquimod bei komplexer Lentigo maligna (NEWSBLOG 2026)
Bei Patienten mit Lentigo maligna, die nicht für eine chirurgische Therapie geeignet sind, stellen Radiotherapie und topisches Imiquimod etablierte nichtoperative Behandlungsoptionen dar, deren vergleichende Wirksamkeit bislang nur begrenzt prospektiv untersucht wurde. In einer multizentrischen randomisierten Phase-3-Studie verglichen die Autoren Wirksamkeit, Sicherheit und gesundheitsbezogene Lebensqualität von Radiotherapie und Imiquimod. Zwischen August 2015 und November 2021 wurden die Patienten randomisiert, wobei das primäre Studienziel das Therapieversagen nach 24 Monaten war. Sekundäre Endpunkte umfassten das Ansprechen nach 6 Monaten, das Auftreten invasiver Erkrankungen, die Therapietoxizität sowie patientenberichtete Lebensqualitätsparameter. Insgesamt wurden 126 Patienten eingeschlossen. Beide Behandlungsarme zeigten hohe Ansprechraten nach 6 Monaten, und das Therapieversagen nach 24 Monaten war insgesamt selten, ohne signifikanten Unterschied zwischen Radiotherapie und Imiquimod. Akute Hautnebenwirkungen waren überwiegend leicht bis moderat ausgeprägt und zwischen den Gruppen vergleichbar. Langfristig zeigten sich keine Unterschiede hinsichtlich Hautsymptomen oder gesundheitsbezogener Lebensqualität. In beiden Gruppen verbesserte sich das emotionale Wohlbefinden nach der Behandlung signifikant im Vergleich zum Ausgangswert. Trotz limitierter Aussagekraft aufgrund eines vorzeitigen Rekrutierungsstopps belegen die Ergebnisse, dass sowohl Radiotherapie als auch Imiquimod effektive und gut verträgliche Therapieoptionen für die Lentigo maligna darstellen, ohne negative Auswirkungen auf die Lebensqualität nach 24 Monaten.
Quelle:
J Am Acad Dermatol. 2025 Nov;93(5):1251–1260. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.07.028
Radiotherapy versus imiquimod for complex lentigo maligna: A phase 3 randomized clinical trial.
Hong AM, Lo SN, Fogarty GB, Stretch J, Wang W, Fernandez-Penas P, Martin RCW, Foote M, Soyer HP, Ruben J, Mar V, Rocha L, Festa-Neto C, Wratten C, Hogarth S, Collgros H, Glanz A, Gouveia BM, Scolyer RA, King MT, Guitera P.
Jan. 26 2026
Diagnostik und Therapie des Yellow-Nail-Syndroms (NEWSBLOG 2026)
Das Yellow-Nail-Syndrom ist eine seltene Erkrankung mit bislang ungeklärter Pathogenese, die durch die klinische Trias aus Nagelveränderungen, respiratorischer Erkrankung und Lymphödem gekennzeichnet ist, wobei diese Manifestationen häufig nicht zeitgleich auftreten und die Diagnosestellung erschweren. Aufgrund der Seltenheit der Erkrankung liegen bislang nur wenige systematische Untersuchungen zu klinischem Erscheinungsbild und Therapieoptionen vor. In einer internationalen multizentrischen retrospektiven Kohortenstudie analysierten die Autoren klinische Merkmale des Yellow-Nail-Syndroms und verglichen therapeutische Regime, um praxisrelevante Empfehlungen für Diagnostik und Management abzuleiten. Insgesamt wurden 111 Patienten eingeschlossen. Besonders hinweisend auf das Yellow-Nail-Syndrom waren Xanthonychie, vermehrte transversale Nagelkrümmung, Nagelplattenverdickung, Wachstumsstillstand der Nägel sowie eine Anamnese respiratorischer Erkrankungen oder eines Lymphödems. Unter den untersuchten Therapiestrategien zeigte die Kombination aus oralem Vitamin E und oralen Azol-Antimykotika die höchste Rate vollständiger klinischer Remissionen. Trotz methodischer Limitationen durch das retrospektive und nicht randomisierte Studiendesign stellt diese Arbeit die bislang größte Fallserie zum Yellow-Nail-Syndrom dar. Die Ergebnisse sprechen für eine strukturierte Diagnostik mit mykologischer Untersuchung und pneumologischer Abklärung und unterstützen die Kombination aus oralem Vitamin E und einem oralen Azol-Antimykotikum als Erstlinientherapie, wobei in ausgewählten Fällen auch ein abwartendes Vorgehen mit Beruhigung der Patienten vertretbar ist.
Quelle:
J Am Acad Dermatol. 2025 Nov;93(5):1268–1276. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.07.039
Diagnosis and management of yellow nail syndrome: An international multi-institutional retrospective cohort study of 111 cases by an expert panel.
Curtis KL, Piraccini BM, Starace M, Rapparini L, Richert B, Rubin AI, Jellinek NJ, Tosti A, Di Chiacchio NG, Di Chiacchio N, Iorizzo M, Grover C, Hinshaw MA, Vlahovic TC, Bellet JS, Rigopoulos D, Lipner SR.
Jan. 25 2026
Histopathologische Merkmale ossifizierter Keloide und ihr Zusammenhang mit Rezidiven: Die Rolle von Entzündung und Fremdkörpern (NEWSBLOG 2026)
Ossifikationen innerhalb von Keloidgewebe stellen ein seltenes, klinisch jedoch relevantes Phänomen dar, dessen zugrunde liegende Mechanismen bislang nur unzureichend geklärt sind. In einer retrospektiven Analyse untersuchten die Autoren die histopathologischen Eigenschaften von 39 ossifizierten Keloiden und verglichen diese mit zwei Kontrollkohorten nicht ossifizierter Keloide, darunter eine nach Alter, Geschlecht und anatomischer Lokalisation angepasste Gruppe sowie eine größere institutionsweite Vergleichskohorte. Der inhaltliche Schwerpunkt lag auf der Bedeutung chronischer Entzündungsprozesse und möglicher Fremdkörperreaktionen. Während entzündliche Zellinfiltrate in allen untersuchten Gruppen häufig nachweisbar waren und keine signifikanten Unterschiede zeigten, fanden sich Fremdmaterialien wie Haarfragmente oder Nahtreste deutlich häufiger in ossifizierten Keloiden. In der multivariablen Analyse erwies sich das Vorhandensein solcher Fremdkörper als starker unabhängiger Prädiktor für eine Ossifikation, ergänzt durch einen signifikanten Einfluss des weiblichen Geschlechts sowie einer Ätiologie im Zusammenhang mit Akne oder Follikulitis. Histologisch waren ossifizierte Keloide durch Zeichen aktiver Knochenbildung gekennzeichnet, darunter lamellärer Knochen und osteoblastenähnliche Zellen in der tiefen Dermis. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass chronische Entzündungsreize und Fremdkörperreaktionen zentrale Auslöser ektoper Knochenbildung darstellen, deren Wirkung jedoch durch individuelle Wirtsfaktoren modifiziert wird. Vor dem Hintergrund früherer Hinweise auf erhöhte Rezidivraten könnten diese histologischen Besonderheiten künftig prognostische Relevanz erlangen und zur differenzierteren chirurgischen Therapieplanung beitragen.
Quelle:
J Dermatol. 2025 Oct 17. http://doi.org/10.1111/1346-8138.70011
Histopathological Features of Ossified Keloids and Their Association With Recurrence: The Role of Inflammation and Foreign Bodies
Tosa M, Ansai SI, Akimoto M, Ogawa R
Jan. 23 2026
Faktoren für die Metastasierung des ekkrinen Porokarzinoms (NEWSBLOG 2026)
Das ekkrine Porokarzinom ist eine seltene maligne adnextumorale Hautneoplasie, für die bislang nur begrenzte Daten zu Metastasierungsrisiken und zur Rolle der Sentinel-Lymphknotenbiopsie vorliegen. In einer retrospektiven Kohortenanalyse untersuchten die Autoren prognostische Faktoren, die mit einer Metastasierung des ekkrinen Porokarzinoms assoziiert sind und die Indikationsstellung zur Sentinel-Lymphknotenbiopsie unterstützen können. Hierzu wurden Daten aus der National Cancer Database sowie dem Surveillance, Epidemiology, and End Results-Register ausgewertet, und der Zusammenhang zwischen Tumorgröße, lymphovaskulärer Invasion und Metastasierung mittels multivariabler logistischer Regression analysiert. Insgesamt wurden 1.351 Patienten mit ekkrinem Porokarzinom identifiziert, von denen 75 regionale Lymphknotenmetastasen und 15 Fernmetastasen aufwiesen. Tumoren mit einem Durchmesser von mehr als 17 Millimetern zeigten ein relevantes Risiko okkulter Lymphknotenmetastasen, die durch eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie nachgewiesen werden konnten. In der Subgruppe mit dokumentierter lymphovaskulärer Invasion war ein hoher Anteil bereits bei Diagnosestellung metastasiert. Insgesamt bestätigen die Ergebnisse, dass Tumorgröße und lymphovaskuläre Invasion entscheidende Prädiktoren für das Metastasierungsrisiko sind und dass bei Tumoren größer als 17 Millimeter oder mit lymphovaskulärer Invasion eine Sentinel-Lymphknotenbiopsie in Erwägung gezogen werden sollte.
Quelle:
Dermatol Surg. 2026 Jan 1;52(1):1–6. http://doi.org/10.1097/DSS.0000000000004737
Factors Associated With Metastasis of Eccrine Porocarcinoma: A Retrospective Cohort Analysis of National Cancer Databases.
Cullison CR, Thomas KM, Rothermel LD, Hoehn RS, Tripathi R, Bordeaux JS.
Jan. 23 2026
Magnetresonanztomographie zur Unterscheidung perianaler Acne inversa von fistulierendem Morbus Crohn (NEWSBLOG 2026)
Die perianale Acne inversa und der fistulierende Morbus Crohn weisen gemeinsame pathophysiologische Merkmale wie suppurative und granulomatöse Entzündungen auf, die zur Ausbildung von Tunneln, Sinusgängen und Fisteln führen können und die klinische Differenzierung erschweren. In einer retrospektiven Kohortenstudie analysierten die Autoren spezifische Merkmale der Magnetresonanztomographie zur Abgrenzung dieser beiden Erkrankungen. Eingeschlossen wurden Patienten mit Acne inversa, Morbus Crohn oder beiden Diagnosen, die an einem universitären Zentrum zwischen 1998 und 2021 untersucht worden waren, dokumentierte perianale Läsionen aufwiesen und eine Becken-MRT erhalten hatten. Zwei verblindete Radiologen bewerteten definierte Bildgebungsmerkmale, aus signifikant unterscheidenden Parametern wurden Odds Ratios berechnet und ein radiomikbasiertes MRT-Scoringsystem entwickelt und validiert. Patienten mit Acne inversa zeigten häufiger subkutane Tunnel, entzündliche Veränderungen von Haut und Subkutis sowie inguinale Lymphadenopathien, während bei Morbus Crohn transsphinktäre und intersphinktäre Fisteln, mesorektale Lymphadenopathien und rektale Entzündungen überwogen. Das entwickelte MRT-Scoringsystem wies eine gute diagnostische Genauigkeit mit ausgewogener Sensitivität und Spezifität auf. Insgesamt bestätigt die Studie den hohen Wert der Magnetresonanztomographie zur Differenzierung perianaler Läsionen bei Acne inversa und fistulierendem Morbus Crohn und unterstreicht ihren Nutzen für die klinische Entscheidungsfindung in Kombination mit weiteren diagnostischen Befunden.
Quelle:
Dermatology. 2025;241(5-6):437–446. http://doi.org/10.1159/000547570
Magnetic Resonance Imaging for Distinguishing Perianal Hidradenitis Suppurativa from Fistulizing Crohn Disease.
Yamanaka-Takaichi M, Yalon M, Loftus EV, Grimaldo AB, Todd A, Wetter DA, Tizhoosh HR, Dozois EJ, Alavi A, Ehman EC.
Jan. 19 2026
Janus-Kinase-/STAT-Signalweg als Bestandteil der Immunpathogenese des bullösen Pemphigoids (NEWSBLOG 2026)
Das bullöse Pemphigoid ist eine häufige autoimmune blasenbildende Hauterkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft, wobei die molekularen Mechanismen des Janus-Kinase-/Signal-Transducer-and-Activator-of-Transcription-Signalwegs bislang nicht vollständig geklärt sind. In der vorliegenden Studie analysierten die Autoren immunologische Profile und die Rolle dieses Signalwegs bei Patienten mit bullösem Pemphigoid und untersuchten zusätzlich die klinische Wirksamkeit einer Janus-Kinase-Inhibition bei therapieresistenten Verläufen. Hierzu wurden Hauttranskriptom-Analysen, Messungen von Zytokin- und Chemokinspiegeln im Plasma sowie In-vitro-T-Zell-Aktivierungsassays mit Blockade durch Janus-Kinase-Inhibitoren durchgeführt und mit gesunden Kontrollpersonen verglichen. Insgesamt wurden 50 Patienten mit bullösem Pemphigoid und 31 gesunde Probanden eingeschlossen. In den Läsionen der Patienten zeigten sich erhöhte Expressionsniveaus von JAK3- und STAT3-mRNA. Zudem waren mehrere für die Entzündungsreaktion beim bullösen Pemphigoid relevante Mediatoren, darunter Interleukin-5, CCL22, CCL17, CCL18, Matrix-Metalloproteinase-9 und Granzyme B, im Vergleich zu den Kontrollen signifikant erhöht. In-vitro-Untersuchungen ergaben, dass Tofacitinib und Ritlecitinib Granzyme-B- und CCL17-Antworten stärker hemmten als Upadacitinib. Klinisch wurden acht Patienten mit steroidrefraktärem bullösem Pemphigoid mit oralem Tofacitinib behandelt, wobei fünf von ihnen innerhalb von fünf Wochen eine rasche und ausgeprägte Reduktion der Krankheitsaktivität zeigten. Insgesamt belegen die Ergebnisse eine zentrale Rolle des JAK3/STAT3-vermittelten Entzündungssignalwegs beim bullösen Pemphigoid und sprechen für den Einsatz von JAK3-Inhibitoren als therapeutische Option bei refraktären Verläufen in Kombination mit niedrig dosierten Kortikosteroiden.
Quelle:
Br J Dermatol. 2025 Aug 18;193(3):521–531. http://doi.org/10.1093/bjd/ljaf219
Janus kinase/signal transducer and activator of transcription signalling pathway is involved in the immune mechanism of bullous pemphigoid.
Chung HY, Chen CB, Lee HE, Lu CW, Chen WT, Hui RC, Chi MH, Chang YC, Lo PC, Wang CW, Chung WH.
Jan. 16 2026
Kollagen XXIII als neuer Risikofaktor für das Ekzema herpeticatum (NEWSBLOG 2026)
Das Ekzema herpeticatum ist eine potenziell lebensbedrohliche, disseminierte Hautinfektion durch das Herpes-simplex-Virus, die bei einem Teil der Patienten mit atopischer Dermatitis auftritt und häufig rezidiviert, was auf eine bedeutende genetische Prädisposition hinweist. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Autoren neue genetische Risikofaktoren für das Ekzema herpeticatum sowie deren funktionelle Bedeutung für die Infektion mit Herpes-simplex-Virus Typ 1. Mittels Ganz-Exom-Sequenzierung wurde ein heterozygoter Einzelnukleotid-Polymorphismus im COL23A1-Gen identifiziert, das für die alpha-1-Kette des Kollagens Typ XXIII kodiert, und anschließend in einer größeren Kohorte validiert. Funktionelle Untersuchungen in primären Keratinozyten betroffener Patienten sowie in HaCaT-Zellen zeigten, dass Keratinozyten mit der Variante rs2973744 erhöhte COL23A1-mRNA- und Proteinspiegel aufwiesen und eine gesteigerte Anfälligkeit für Herpes-simplex-Virus Typ 1 zeigten. Eine experimentelle Hochregulation von COL23A1 verstärkte die Virusinfektion in humanen Keratinozyten zusätzlich. Mechanistisch führte eine Überexpression von COL23A1 zu einer vermehrten Expression der HSV-1-Bindungs- und Eintrittsfaktoren Syndecan-1 und Nectin-1 an der Zelloberfläche sowie zu einer gleichzeitigen Herunterregulation zentraler Gene antiviraler Abwehrmechanismen. Die Ergebnisse belegen, dass eine gesteigerte COL23A1-Expression die HSV-1-Infektion von Keratinozyten begünstigt, und identifizieren COL23A1 als bislang nicht bekannten genetischen Risikofaktor für das Ekzema herpeticatum bei Patienten mit atopischer Dermatitis.
Quelle:
J Allergy Clin Immunol. 2025 Nov;156(5):1247–1259. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2025.06.011
Collagen XXIII (COL23A1): A novel risk factor for eczema herpeticum.
Chopra S, Zeitvogel J, Traidl S, Klug I, Rodriguez E, Harder I, Lieb W, Weidinger S, Schulz TF, Sodeik B, Döhner K, Roesner LM, Werfel T.
Jan. 12 2026
Antidepressiva und postoperative Ergebnisse bei der chirurgischen Behandlung von Basalzellkarzinomen (NEWSBLOG 2026)
Patienten, die sich einer chirurgischen Behandlung eines Basalzellkarzinoms unterziehen, weisen häufig psychiatrische Begleiterkrankungen auf und werden nicht selten mit Antidepressiva behandelt. Trotz der etablierten Wirksamkeit dieser Medikamente ist ihr Einfluss auf postoperative Verläufe nach Basalzellkarzinom-Operationen bislang nur unzureichend untersucht. In einer propensity-gematchten Kohortenanalyse untersuchten die Autoren den Zusammenhang zwischen der Einnahme von Antidepressiva und postoperativen Ergebnissen bei operativ behandelten Basalzellkarzinom-Patienten. Auf Basis der TriNetX-Datenbank wurden Patienten im Verhältnis 1:1 entsprechend ihrer Antidepressiva-Exposition gematcht, und postoperative Endpunkte über einen Zeitraum von 90 Tagen analysiert. In der gematchten Kohorte von 3.197 Patienten zeigte sich bei Antidepressiva-Anwendern eine signifikant höhere Rate an Opioidverordnungen innerhalb von 90 Tagen. Darüber hinaus traten bei diesen Patienten häufiger chirurgische Wundinfektionen, Wunddehiszenzen, Krankenhauswiederaufnahmen, Sepsis, stationäre Krankenhausaufenthalte sowie Besuche in der Notaufnahme auf. Insgesamt ist die Einnahme von Antidepressiva bei Patienten mit Basalzellkarzinom mit einem erhöhten Risiko für postoperative Komplikationen assoziiert, was eine erhöhte perioperative Aufmerksamkeit und sorgfältige Risikobewertung in dieser Patientengruppe erforderlich macht.
Quelle:
J Am Acad Dermatol. 2025 Oct;93(4):993–999. http://doi.org/10.1016/j.jaad.2025.06.012
Antidepressant usage and its postoperative outcomes on the surgical management of basal cell carcinomas: A propensity-matched cohort analysis.
Sohail N, Sohail A, Alsaidi A, Dallo M, Koshelev MV.
Jan. 09 2026
Opsin 3 in Keratinozyten vermittelt die lichtinduzierte Verstärkung der atopischen Dermatitis (NEWSBLOG 2026)
Die atopische Dermatitis ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die häufig durch Sonnenexposition verstärkt wird, während psoriatische Läsionen typischerweise lichtgeschützte Areale bevorzugen. Opsin 3 ist ein in der Haut exprimierter Photorezeptor, der bislang vor allem mit Funktionen wie Pigmentierung und Barrierewiederherstellung assoziiert wurde, dessen Rolle bei lichtinduzierter Entzündung der atopischen Dermatitis jedoch unklar war. In der vorliegenden Arbeit untersuchten die Autoren die Bedeutung und die zugrunde liegenden Mechanismen von Opsin 3 bei der lichtbedingten Verschlechterung der atopischen Dermatitis anhand humaner Hautproben, experimenteller Mausmodelle und kultivierter Keratinozyten. Dabei zeigte sich eine erhöhte Opsin-3-Expression in Keratinozyten aus Läsionen der atopischen Dermatitis sowie in einem Mausmodell dieser Erkrankung, nicht jedoch bei Psoriasis oder in entsprechenden Tiermodellen. Typ-2-Zytokine induzierten die Opsin-3-Expression in Keratinozyten und führten zu einer gesteigerten Produktion proinflammatorischer Zytokine wie Interleukin-36γ, Tumornekrosefaktor α, Interleukin-8 und Interleukin-1β. Lichtbestrahlung verstärkte die Hautentzündung selektiv in Modellen der atopischen Dermatitis, während kein entsprechender Effekt bei Psoriasis beobachtet wurde. Mechanistisch erfolgte die lichtinduzierte Zytokinfreisetzung über einen Opsin-3-vermittelten Kalziumeinstrom und die Aktivierung des Sphingosin-1-Phosphat-Rezeptor-Signalwegs. Die Ergebnisse belegen eine mikroumgebungsspezifische proinflammatorische Rolle von Opsin 3 bei Lichtbelastung und identifizieren den Rezeptor als potenzielles neues therapeutisches Ziel bei der atopischen Dermatitis.
Quelle:
J Allergy Clin Immunol. 2025 Oct;156(4):980–992. http://doi.org/10.1016/j.jaci.2025.05.015
Opsin 3 in keratinocytes mediates the light-induced exaggeration of atopic dermatitis.
Mao L, Yin H, Qiu Z, Zhao L, Wang S, Wang Y, Wu Y, Gu C, Yao X, Li W.