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Das Wiki Blog - Blog-Beiträge für Mai 2026
Mai 15 2026
„CLOWN-NASE“ STATT RHINOPHYM: SELTENE MANIFESTATION EINES METASTASIERTEN EKRINEN POROKARZINOMS (NEWSBLOG 2026)
Die sogenannte „Clown-Nase“ – ein rötlich-brauner, nodulärer Befund an der Nasenspitze – ist ein seltenes, aber potenziell hochrelevantes klinisches Zeichen. Berichtet wird der Fall eines 54-jährigen Patienten mit metastasiertem ekkrinem Porokarzinom, der eine typische „Clown-Nasen“-Läsion entwickelte. Dieses klinische Bild ist bislang vor allem im Zusammenhang mit:
- Metastasen solider Tumoren
- genetischen Syndromen
- sowie primären dermatologischen Erkrankungen
beschrieben worden.
Die „Clown-Nase“ ist ein kutanes Alarmzeichen insbesondere bei
- rascher Progredienz
- atypischer Morphologie
- fehlender typischer Rosazea-Anamnese
- bekannter Tumorerkrankung
und sollte frühzeitig eine histologische Abklärung nach sich ziehen.
Quelle:
Am J Dermatopathol. 2026 Feb 1;48(2):125-131. http://doi.org/10.1097/DAD.0000000000003152.
A Rare Clown Nose Manifestation of Metastatic Eccrine Porocarcinoma: Case Study and Review of the Literature.
Wang QX, Li FZ, Zhang CK, Fang S.
Mai 13 2026
CHRONISCHE LYMPHATISCHE LEUKÄMIE KANN PERNIONES IMITIEREN (NEWSBLOG 2026)
Kutane Manifestationen der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) sind klassischerweise papulonodulär, doch eine aktuelle Fallserie beschreibt ein bislang wenig beachtetes klinisches Bild: pernio-ähnliche Läsionen als Ausdruck einer Leukämie cutis. In der Analyse von fünf CLL-Patienten zeigten sich entzündlich wirkende, pernio-ähnliche Hautveränderungen an typischen Akralregionen wie Ohren, Nase und Fingern, wobei das klinische Erscheinungsbild stark an Perniones („Chilblains“) erinnerte und somit potenziell zu Fehldiagnosen führen kann. Die Histopathologie lieferte jedoch die entscheidende Differenzierung, da sich ein dichtes, diffuses dermales Infiltrat aus monomorphen Lymphozyten zeigte, ohne die für klassische Perniones typischen Zeichen wie perivaskuläre oder periekkrine Infiltrate, dermales Ödem oder eine Interface-Dermatitis, wodurch sich in allen Fällen eine Leukaemia cutis im Rahmen der CLL bestätigte. Bemerkenswert ist zudem, dass in einem Fall die Hautveränderungen die Erstmanifestation der CLL darstellten und sich in den meisten Fällen die Läsionen unter systemischer CLL-Therapie besserten, sodass bei atypischen, therapieresistenten oder unklaren pernio-artigen Läsionen, insbesondere bei älteren Patienten oder ungewöhnlichem Verlauf, eine maligne Ursache in Betracht gezogen und frühzeitig eine Biopsie durchgeführt werden sollte.
Quelle:
Clin Exp Dermatol. 2026 Jan 23. http://doi.org/10.1093/ced/llag030.
"Leukemic pernio": perniosis-like presentations of chronic lymphocytic leukemia.
Gilbert A, Saleem A, Kim YH, Khodadoust MS, Brown RA, Novoa RA, Rieger KE.
Mai 11 2026
MELANOM: KOMPLETTE LYMPHKNOTENDISSEKTION VS. SELEKTIVE EXSTIRPATION – KEIN ÜBERLEBENSVORTEIL TROTZ BESSERER LOKALKONTROLLE (NEWSBLOG 2026)
Die Rolle der kompletten Lymphknotendissektion (CLND) beim Melanom steht seit Einführung effektiver adjuvanter Systemtherapien zunehmend zur Diskussion. Eine aktuelle multizentrische Real-World-Analyse aus Deutschland liefert hierzu wichtige Daten. In die retrospektive Studie wurden 320 Patienten mit Stadium IIIB–D Melanom und nodaler Makrometastasierung eingeschlossen. Verglichen wurden komplette Lymphknotendissektion (CLND) versus selektive Lymphknotenextirpation (LNE) vor Einleitung einer adjuvanten Therapie (überwiegend PD-1-Inhibitoren).
Zentrale Ergebnisse:
- Gesamtüberleben (OS): kein signifikanter Unterschied zwischen CLND und LNE
- Rezidivfreies Überleben (RFS): nach Adjustierung moderat verbessert unter CLND (HR 0,676; p = 0,04)
- Nodales metastasenfreies Überleben (NFS): signifikant besser nach CLND (HR 0,39; p = 0,005)
- Komplikationen: signifikant häufiger unter CLND
Die Daten zeigen:
Bessere lokale Tumorkontrolle durch CLND, jedoch kein Vorteil im Gesamtüberleben – bei gleichzeitig höherer Morbidität. Damit spiegelt die Studie den aktuellen Paradigmenwechsel in der Melanomtherapie wider: Während radikale chirurgische Ansätze früher Standard waren, verschiebt sich der Fokus zunehmend in Richtung systemischer Therapien und individualisierter chirurgischer Strategien.
Klinische Implikation:
CLND kann weiterhin sinnvoll sein – insbesondere zur Verbesserung der lokalen Kontrolle. Die Entscheidung sollte jedoch streng individuell erfolgen und die erhöhte Komplikationsrate berücksichtigen, insbesondere im Kontext moderner adjuvanter Therapien.
Quelle:
J Dtsch Dermatol Ges. 2026 Jan 21. http://doi.org/10.1111/ddg.15967.
Complete lymph node dissection versus selective lymph node extirpation in melanoma patients with nodal macrometastasis and adjuvant systemic therapy.
Mayer KE, Hassel JC, Sambale J, Erdmann M, Sindrilaru MA, Oberschmied J, Thiem A, Tomsitz D, Knuever J, Schlaak M, Berking C, Posch C, Biedermann T, Persa OD.
Mai 08 2026
LIVEDO-VASKULOPATHIE: THROMBOZYTENMARKER ALS SCHWEREGRAD-INDIKATOREN UND RIVAROXABAN MIT SCHNELLER WIRKUNG (NEWSBLOG 2026)
Die Livedo-Vaskulopathie (LV) gilt als thrombotisch geprägte Mikroangiopathie mit komplexer Pathophysiologie zwischen Hyperkoagulabilität und Inflammation. Eine aktuelle Real-World-Analyse liefert nun praxisrelevante Hinweise sowohl zu Biomarkern als auch zur Therapie mit Rivaroxaban. In der retrospektiven Studie wurden 41 LV-Patienten mit 19 gesunden Kontrollen verglichen. Dabei zeigten sich signifikant erhöhte hämatologische Parameter, insbesondere Thrombozytenzahl, Neutrophilen-Lymphozyten-Ratio sowie Thrombozyten-Lymphozyten-Ratio (PLR). Entscheidend: Thrombozytenzahl, Thrombokrit und PLR korrelierten signifikant mit dem klinischen Schweregrad der Erkrankung. Diese Parameter könnten somit als einfache, kosteneffiziente Verlaufsmarker im klinischen Alltag dienen. Therapeutisch erhielten alle Patienten Rivaroxaban in einer Dosierung von 10 mg täglich. Bereits innerhalb von drei Wochen wurde bei 78 % der Patienten eine Krankheitskontrolle erreicht – ein bemerkenswert schneller Effekt für diese oft therapieresistente Erkrankung. Patienten mit unzureichendem Ansprechen wiesen höhere Ausgangsschweregrade auf und benötigten Dosisanpassungen oder Kombinationstherapien. Das Sicherheitsprofil war insgesamt günstig: Nebenwirkungen beschränkten sich überwiegend auf milde Blutungsereignisse, insbesondere Menorrhagien. Die Daten unterstreichen die zentrale Rolle thrombotischer Mechanismen bei LV und sprechen für den gezielten Einsatz oraler Antikoagulanzien. Gleichzeitig liefern einfache Blutparameter wertvolle Hinweise für ein individualisiertes Therapiemanagement.
Quelle:
J Cutan Med Surg. 2026 Jan 12. http://doi.org/10.1177/12034754251411861.
Livedoid Vasculopathy: Analysis of Hematological Parameters and Response to Rivaroxaban.
Liu Y, Deng S, Shi W.
Mai 06 2026
METHOTREXAT VS. MYCOPHENOLATMOFETIL BEI JUVENILER LOKALISIERTER SKLERODERMIE (NEWSBLOG 2026)
Für die juvenile lokalisierte Sklerodermie stehen bislang keine zugelassenen Standardtherapien zur Verfügung, wobei Methotrexat häufig als Erstlinientherapie eingesetzt wird. Eine aktuelle Kohortenstudie untersucht nun, ob Mycophenolatmofetil eine vergleichbare Alternative darstellen könnte. In dieser retrospektiven Analyse von 114 pädiatrischen Patienten wurden klinische Verläufe unter Methotrexat, Mycophenolatmofetil oder einer Kombination beider Substanzen verglichen. Die Auswertung zeigte, dass alle Therapieansätze zu einer signifikanten Reduktion der Krankheitsaktivität führten, ohne relevante Unterschiede zwischen den Gruppen. Auch hinsichtlich der Schubrate ergaben sich keine signifikanten Differenzen. Auffällig waren jedoch Unterschiede im Nebenwirkungsprofil: Patienten unter Methotrexat berichteten deutlich häufiger über Fatigue und Übelkeit als jene unter Mycophenolatmofetil. Dies spricht für eine bessere Verträglichkeit der letzteren Substanz. Die Ergebnisse legen nahe, dass Mycophenolatmofetil eine gleichwertige Wirksamkeit bei potenziell besserer Verträglichkeit bietet und somit als alternative Erstlinientherapie in Betracht gezogen werden könnte. Aufgrund des retrospektiven Studiendesigns sind jedoch prospektive, randomisierte Studien erforderlich, um diese Befunde zu bestätigen und die therapeutische Positionierung weiter zu klären.
Quelle:
JAMA Dermatol. 2026 Mar 1;162(3):271-278. http://doi.org/10.1001/jamadermatol.2025.5662.
Methotrexate and Mycophenolate Mofetil and Clinical Response in Juvenile Localized Scleroderma.
de Rosas EC, Wang JC, Zigler CK, Torok KS.
Mai 04 2026
SELBSTBRÄUNER IN DER DERMATOLOGIE (NEWSBLOG 2026)
Selbstbräuner gelten als sichere Alternative zur UV-Exposition, sind jedoch nicht frei von dermatologischen Risiken. Eine aktuelle Übersichtsarbeit analysiert Zusammensetzung, Wirksamkeit und potenzielle Nebenwirkungen gängiger Produkte auf dem Markt. Untersucht wurden 37 der meistverkauften Selbstbräuner-Produkte anhand ihrer Inhaltsstoffe sowie ausgewerteter Nutzerberichte. Der zentrale Wirkstoff war in allen Präparaten Dihydroxyaceton (DHA), das durch Reaktion mit der Hornschicht eine temporäre Bräunung erzeugt. Ergänzend fanden sich seltener Substanzen wie Erythrulose, Melanin oder Tyrosinderivate. Auffällig ist, dass nur ein sehr geringer Anteil der Produkte gleichzeitig einen UV-Schutz enthielt. Neben der gewünschten Bräunungswirkung berichten Anwender in knapp 2 % der Fälle über Hautreaktionen. Dazu zählen irritative und allergische Kontaktdermatitiden sowie Pigmentveränderungen, die in der dermatologischen Diagnostik relevant sein können. Zudem werfen neuere oder weniger etablierte Inhaltsstoffe Fragen hinsichtlich Sicherheit und regulatorischer Bewertung auf. Die Ergebnisse unterstreichen, dass Selbstbräuner zwar eine UV-freie Bräunungsoption darstellen, jedoch nicht als risikofrei einzustufen sind. Für die Praxis bedeutet dies, dass Patienten gezielt über Inhaltsstoffe, mögliche Nebenwirkungen und die korrekte Anwendung aufgeklärt werden sollten. Wichtig bleibt insbesondere der Hinweis, dass Selbstbräuner keinen ausreichenden UV-Schutz bieten und daher konsequenter Sonnenschutz weiterhin erforderlich ist.
Quelle:
J Drugs Dermatol. 2026 Jan 1;25(1):30-35. http://doi.org/10.36849/JDD.9360.
Sunless Tanners in Dermatology: A Review of Ingredients, Efficacy, and Safety Profiles.
Black TA, Hatch J, Laughter MR, Anderson JB.