Schmale Exzisionsränder bei atypischen Spitz-Tumoren im Kindesalter mit niedriger chirurgischer Morbidität (NEWSBLOG 2026)

Zuletzt geändert von Thomas Brinkmeier am 2026/10/10 09:07

Schmale Exzisionsränder bei atypischen Spitz-Tumoren im Kindesalter mit niedriger chirurgischer Morbidität (NEWSBLOG 2026)

Atypische Spitz-Tumoren (AST) sind biologisch heterogene melanozytäre Tumoren intermediärer Dignität, deren Abgrenzung von benignen Spitz-Nävi und spitzoiden Melanomen insbesondere im Kindesalter eine diagnostische Herausforderung darstellen kann. Während aktuelle Expertenempfehlungen eine zurückhaltende chirurgische Strategie mit schmalen Exzisionsrändern unterstützen, sind klinische Verlaufsdaten bislang begrenzt. Eine retrospektive Untersuchung des Children’s Wisconsin analysierte 43 Patienten unter 18 Jahren mit chirurgisch behandelten AST; das mittlere Alter bei Diagnose betrug 7,4 Jahre und die mittlere Nachbeobachtungszeit 53,3 Monate. Bei 37 Patienten (86,0 %) erfolgte eine schmale Exzision mit einem Sicherheitsabstand von höchstens 3 mm und einem mittleren Rand von 2,1 mm, während sechs Patienten mit durchschnittlich 6,0 mm weiter exzidiert wurden. Nach schmaler Exzision war bei vier Patienten (10,8 %) eine Nachexzision erforderlich, darunter bei einem Patienten aufgrund eines klinischen Rezidivs. Lokale oder distante Metastasen sowie Todesfälle wurden während der Nachbeobachtung nicht beobachtet. Besonders auffällig war der Unterschied bei der chirurgischen Morbidität: Komplikationen traten bei 5,4 % nach schmaler gegenüber 50 % nach weiter Exzision auf, wobei die sehr geringe Zahl von nur sechs Patienten in der letztgenannten Gruppe eine vorsichtige Interpretation erfordert. Die Ergebnisse unterstützen damit eine gewebeschonende Exzision pädiatrischer AST und stehen im Einklang mit aktuellen Konsensempfehlungen. Sie belegen jedoch nicht die onkologische Gleichwertigkeit unterschiedlicher Sicherheitsabstände: Das retrospektive Single-Center-Design, die kleine Kohorte, fehlende Randomisierung und die begrenzte Nachbeobachtungsdauer schließen seltene oder spät auftretende ungünstige Verläufe nicht aus. Voraussetzung für eine zurückhaltende chirurgische Strategie bleibt zudem eine sorgfältige dermatopathologische Einordnung, bei diagnostisch schwierigen spitzoiden Tumoren gegebenenfalls ergänzt durch molekulare Untersuchungen.

Quelle:
Pediatr Dermatol. 2026 Jun 14. http://doi.org/10.1111/pde.70262
Narrow-Margin Excision of Atypical Spitz Tumors: A Single-Center Retrospective Review.
Barry KK, Han MM, Humphrey SR, Young KE, Carlberg VM.

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